Hall-Effect oder TMR? Die zwei Anti-Drift-Techniken im Vergleich
Immer mehr Controller werben mit TMR-Sticks statt Hall-Effect. Wir erklären den Unterschied ohne Physik-Studium und sagen ehrlich, wann sich der Aufpreis lohnt.

Bis vor Kurzem war die Welt einfach: Gute Smartphone-Controller hatten Hall-Effect-Sticks, schlechte hatten Potentiometer. Seit Razer seine Kishi-V3-Reihe mit TMR-Sticks ausstattet, taucht ein dritter Begriff auf, und mit ihm die Frage, ob Hall-Effect jetzt veraltet ist. Die kurze Antwort: nein. Die beiden Techniken sind enger verwandt, als das Marketing vermuten lässt.
Warum Sticks überhaupt driften
Stick-Drift entsteht bei klassischen Potentiometer-Sticks: Dort schleift ein Kontakt bei jeder Bewegung über eine Widerstandsbahn. Dieser Abrieb summiert sich, irgendwann meldet der Stick Bewegungen, die es gar nicht gibt, und die Spielfigur läuft von selbst los. Die Grundlagen haben wir in unserem Artikel über Hall-Effect-Sticks ausführlich erklärt. Beide Magnet-Techniken schaffen dieses Problem ab, nur eben auf leicht unterschiedliche Weise.
So arbeitet Hall-Effect
Im Stick sitzt ein kleiner Magnet, darunter ein Hall-Sensor. Bewegst du den Stick, bewegt sich der Magnet, und der Sensor misst die Änderung des Magnetfelds. Daraus berechnet der Controller die exakte Position. Es gibt keinen mechanischen Kontakt zwischen Messung und Bewegung, also auch keinen Verschleiß und keinen Drift. Die Technik ist seit Jahren bewährt und inzwischen erfreulich günstig: Hall-Effect-Sticks stecken im 8BitDo Ultimate 2C für 20 € genauso wie in unserem Testsieger GameSir G8 Galileo für 80 €.
So arbeitet TMR
TMR steht für Tunnel-Magnetowiderstand. Auch hier bewegt sich ein Magnet über einem Sensor, gemessen wird aber anders: Der TMR-Sensor besteht aus hauchdünnen Materialschichten, deren elektrischer Widerstand sich mit dem Magnetfeld ändert. Dieser Effekt reagiert deutlich empfindlicher auf kleine Feldänderungen als ein Hall-Sensor. In der Praxis heißt das: feinere Auflösung kleiner Stick-Bewegungen bei geringerem Stromverbrauch. Drift-frei ist die Technik aus demselben Grund wie Hall-Effect, es schleift schlicht nichts.
Der Praxis-Unterschied, ehrlich eingeordnet
Auf dem Datenblatt gewinnt TMR. Im Blindtest merken die meisten Spieler davon allerdings wenig: Ob dein Charakter in einem Rennspiel oder Shooter minimal feiner lenkt, spüren vor allem kompetitive Spieler mit trainierter Hand. Relevanter ist der Stromvorteil, und der auch nur bei Bluetooth-Controllern, die aus eigenem Akku laufen. Bei USB-C-Modellen, die ohnehin am Handy hängen, spielt er kaum eine Rolle.
Deshalb unser ehrliches Fazit: TMR ist ein echter, aber kleiner Fortschritt. Es ist kein Grund, einen guten Hall-Effect-Controller zu ersetzen, und umgekehrt ist ein fehlendes TMR kein Mangel. Genau darum führen wir es in unseren Tests als Ausstattungsmerkmal, nicht als K.-o.-Kriterium.
Welche Controller haben was?
- TMR-Sticks: Razer Kishi V3 (ca. 94 €, kombiniert TMR-Sticks mit Hall-Effect-Triggern) und Razer Kishi V3 Pro (ca. 149 €).
- Hall-Effect-Sticks: die große Mehrheit unserer Empfehlungen, vom 8BitDo Ultimate 2C (20 €) über den GameSir X5 Lite (38 €) bis zum G8 Galileo (80 €).
- Klassische Potentiometer: unter anderem die Backbone-Modelle. Sie sind top verarbeitet, tragen aber langfristig das Drift-Risiko. Mehr dazu in unserem Marken-Vergleich GameSir oder Backbone.
Fazit
Kauf-Regel in einem Satz: Achte darauf, dass Hall-Effect oder TMR in den technischen Daten steht, und du bist das Drift-Thema dauerhaft los. Zwischen den beiden Magnet-Techniken entscheidet dann nicht die Physik, sondern das Gesamtpaket: Rücktasten, Verarbeitung, Preis. Wie sich das konkret anfühlt, zeigt unser Duell G8 Galileo gegen Kishi V3, also Hall-Effect gegen TMR in zwei echten Geräten.
Häufige Fragen
Ist TMR besser als Hall-Effect?
Verhindern beide Techniken Stick-Drift?
Welche Smartphone-Controller haben TMR-Sticks?
Lohnt sich der Aufpreis für TMR?
Noch unsicher, welcher Controller passt?
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